Kann man mit diesen Hunden eine Brauchbarkeitsprüfung machen?

JA, SELBSTVERSTÄNDLICH ! ! !

Es ist nach wie vor erstaunlich, dass wir bei nahezu jedem Wurf hören: "diese Hunde haben keine Papiere vom JGHV und aus diesem Grund kann ich die gesetzlich vorgeschriebene Brauchbarkeit nicht machen". Solche Aussagen 10 Jahre nach dem Plott-Urteil von Gera: http://www.lausitzer-jgv.de/…/Info…/232_Gerarer%20Urteil.pdf und der damit einhergehenden Novellierung von zahlreichen Landesjagdgesetzen (LJagdG)?! Würden wir über Jahre eine Zucht aufrecht erhalten, deren "Produkte" die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllen DÜRFTEN? Selbstverständlich nicht! Natürlich können diese Hunde eine Brauchbarkeitsprüfung ablegen! ! ! In nahezu allen Bundesländern werden Hunde aus unserer Zucht mit anerkannten Prüfungen geführt - auch ohne den Sperlingshund! Wie ist das möglich:

1. Was ist der Jagdgebrauchshundverband (JGHV)? Ein e. V. wie zig tausend andere in diesem Land auch. Hat der JGHV legislative (gesetzgebende) Befugnisse? Selbstverständlich nicht! Man stelle sich vor, jeder e.V. in diesem Land könnte Gesetze erlassen und sich für die Umsetzung dieser verantwortlich fühlen. Der Gesetzgeber schreibt den jagdlich brauchbaren Hund vor. Logisch, nachvollziehbar und völlig richtig. Aber er sagt NICHT, dass der JGHV der alleinig durchführende für diese Brauchbarkeitsprüfung ist. Und zig Gerichtsurteile zeigen deutlich, dass diese, gern vom JGHV in Anspruch genommene Monopolstellung, unrecht wäre. Ein weiteres Beispiel dazu. Der Gesetzgeber sagt: "möchtest du ein KfZ im Straßenverkehr führen, so muss dies sicher sein." Kann ich die HU nur beim TÜV machen? Nein, auch bei der DEKRA. Etwas überspitzt, dennoch passend um den Sachverhalt zu verdeutlichen. Aus diesem Grund gibt es auch andere Vereine, bei denen der Hundeführer eine Brauchbarkeitsprüfung ablegen kann (auch wenn der Hund keine JGHV-Ahnentafel hat). Die Prüfungsanforderungen dieser Vereine entsprechen mindestens (zum Teil deutlich höher) denen des JGHV und werden dadurch problemlos von den Unteren Jagdbehörden anerkannt. Als Beispiel sei die Leistungsgruppe Jagdhunde genannt: drvev/Leistungsgruppe Jagdhunde .

Aber Achtung (und bevor die JGHV-Jünger wieder im Dreieck springen): kann ich mit einem Schwarzwälder / Plott eine Prüfung im JGHV / der örtlichen Jägerschaft machen? Das kommt auf das Bundesland an! In Sachsen-Anhalt ist dies zum Beispiel nicht möglich. Muss es aber auch nicht (wie ich noch aufzeigen werde). Das heißt, die örtlichen JGHV-Gruppen oder Rasse-Gruppen (welche dem JGHV angeschlossen sind) können dem Führer eines Hundes ohne JGHV-Papiere die Teilnahme verweigern. Aber wie o. g. gibt es ja Alternativen!

2. Mit Gera hat es angefangen und einige Urteile mehr führten dazu, dass Bundesländer ihre Landesjagdgesetze ändern mussten und einen Passus wie: "...zur Brauchbarkeitsprüfung zugelassen werden ausschließlich Hunde mit JGHV-Ahnentafel....", streichen und durch "....zur Brauchbarkeitsprüfung zugelassen werden Hunde die phänotypisch einer Jagdhunderasse entsprechen..." ersetzen mussten. Und auch wenn dies den Funktionären und Paladinen des JGHV nicht schmeckt, es ist richtig so!!! Der Gestzgeber kann von mir den jagdlich-brauchbar-geprüften Hund fordern, aber kein Lodenjockel hat mir zu sagen was dies für ein Hund zu sein hat! Vergleich hierzu Art 2 GG (1) und die genaue Urteilsbegründung von Gera https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_2.html .

 

Was bedeutet dies für einen Schwarzwälder / Plott, Heideterrier, Patterdale usw.? Mit diesen Hunden kann in diesen Bundesländern ohne Probleme eine Brauchbarkeit abgelegt werden. Jetzt könnte natürlich ein Hundeführer aus Sachsen-Anhalt (oder wo auch immer) sagen: "was nützt mir das, wenn ich in Sachsen-Anhalt aber keine Prüfung mit diesen Hunden ablegen kann"? Und an dieser Stelle kommen die Ausführungsbestimmungen und Durchführungsverordnungen der einzelnen Landesjagdgesetze zum tragen. Zugegeben, der Jäger kennt sich halbwegs mit dem BJagdG, etwas besser mit dem eigenen LJagdG aus, hat aber in den seltensten Fällen etwas von diesen Bestimmungen und Verordnungen gehört, obwohl sie das eigentliche Salz in der Suppe sind. So sagt zum Beispiel die Ausführungsbestimmung für Sachsen-Anhalt in Punkt 2.3, dass eine Prüfung, die in einem anderen Bundesland abgelegt wurde, auch in Sachsen-Anhalt gelten muss: http://www.ljv-sachsen-anhalt.de/…/ausfuehrungsbestimmungen… . Unsere Hunde werden / wurden in Thüringen geprüft und problemlos von der Unteren Jagdbehörde in Sachsen-Anhalt als brauchbar eingestuft! Das bedeutet, jedes Landesjagdgesetz besitzt eine solche Ausführungsbestimmung. Und DIESE ist bindend für die Behörde. Und besagt eben diese Bestimmung, dass die Prüfungen eines anderen Bundeslandes anerkannt werden müssen, so kann sich auch kein Leiter einer Jagdbehörde (als Verwaltungsfachangestellter und eben nicht Richter) darüber hinwegsetzen. Selbst wenn es weh tut und er Funktionär im JGHV ist. Die aktuellsten Gerichtsurteile dazu sind die Urteile 7A1154/16 VG Schwerin und 2LZ762/18 OVG MeckPomm..

3. Oft wird das Argument gebracht: "na ja gut, die Brauchbarkeit kann man schon mit solchen Hunden machen, aber dann ist auch an der Reviergrenze schluss". Das wäre richtig, wenn der Hund tatsächlich "nur" die Brauchbarkeit hätte. Ich kann aber selbstverständlich auch erschwerte Schweißprüfungen in den entsprechenden Bundesländern ablegen und diese würden auch (je nach Bundesland) anerkannt und für das Zulassungsverfahren zum bestätigten Schweißhundeführer herangezogen.

Fazit: Uns liegt es fern den JGHV, dessen Rassezuchtverbände, Mitglieder und darin tätige Hundeführer anzufeinden! JEDER soll glücklich sein wo er ist, mit dem Hund am Strick den er will und fertig. Wenn allerdings nach all den Jahren immer wieder gesagt wird (vor allem aus dieser Ecke), mit einem Hund ohne JGHV-Papiere kann keine Prüfung abgelegt werden, dann ist das eine Lüge! Nicht mehr und nicht weniger. Und dagegen setzen wir uns zur Wehr. Mit gutem Recht! In nahezu allen Bundesländern werden geprüfte Hunde aus unserer Zucht geführt und erfolgreich - gesetzlich legitim - eingesetzt!
Ich persönlich sehe die Problematik dieser unsachgem. Diskussion nicht in den gesetzlichen Bestimmungen (wie o. g.), sondern eher in der fehlenden Bereitschaft fremdes Terrain zu betreten. Natürlich ist eine Prüfung "angenehmer" wenn der Hundeführer mit dem Prüfungsleiter und Richter per Du ist. Man kennt sich, scherzt über den letzten Stammtisch und die "Fährte" sieht aus als wäre sie mit dem Harvester getreten. Da purzeln die 1. Preise nur so....